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Strom vs. Öl, Gas, Holz, ...

Regelmäßig taucht im Haustechnikdialog Forum das Thema Strompreis auf. Neben den Thema Ölpreis (Dauerbrenner), Gaspreis und, auch immer gerne genommen: Holz bzw. Pelletspreis.

Dominiert ist die Diskussion meistens durch Stammtischparolen, und meistens lohnt es sich nicht überhaupt dazu Stellung zu nehmen, wenn mal wieder die Kernkraft-Fan's, die PV-Hasser, die Peak-Oil Fraktion, die Mit-Solarthermie-Geht-Alles-Jünger und die Hähähä-Ich-Habe-Einen-Wald-Besserwisser aufeinander einschlagen.

Aber ich dachte mir, warum nicht mal die Gründe zusammensuchen, warum vielleicht Strom am Ende "gewinnen" wird.

Vorweg dazu zwei wichtige Ansagen, erstens, nur die Energie, die man nicht braucht, ist gute Energie. Also muss an erster Stelle Energieverbrauchsvermeidung stehen. Also immer schön dämmen. Lieber KfW40 Haus als KfW60 Haus und lieber KfW60 Haus als ein "normales Niedrigenergiehaus" (EnEV Haus).
Zweitens, im Einzelfall sind pauschale Aussagen nicht gültig. Pellets kann sicher eine gute Wahl sein. Im Moment können sogar Öl und Gas noch eine gute Wahl sein, wenn auch nur selten für einen Neubau. Im Neubau sollte man nur mindestens darauf achten, dass man in 10-15 Jahren, wenn die erste Heizung "durch" ist, die Wahl hat, auch was mit Solar oder Wärmepumpe zu machen. Einfach, damit man nicht festgelegt ist.

Aber nun Gründe, warum Strom vielleicht nicht böse ist und vielleicht nicht genauso schnell teurer wird wie Öl oder Gas (oder sogar Holz):
  • Strom hat heute (2006) in Deutschland einen Primärenergiefaktor von 3 politisch (EnEV) und ca. 2,7 real (GEMIS), es werden also im Durchschnitt 3 Teile Primärenergie (Öl, Gas, Kohle, Wind, Wasser, PV, ...) benötigt um 1 Teil Strom zu erzeugen und an den Endverbraucher zu liefern. Da ist "alles" drin, auch die Herstellung und Betrieb der Kraftwerke und Verteilungssysteme (deswegen haben Wind, Wasser, Holz usw. auch einen Primärenergiefaktor größer Null).
  • daraus (und sowieso) folgt, dass der Strompreis abhängig ist von dem Preis seiner "Primärenergiequellen".
  • folglich wird der Strompreis mit dem Ansteigen der Preise von Öl und Gas usw. steigen.
  • anders aber als bei Öl und Gas, gibt es eine Reihe von dämpfenden Faktoren, die den Strompreis nicht so schnell ansteigen lassen werden, wie den Preis einer Primärenergieform:
  1. Strom wird aus einem Primärenergiemix hergestellt. Wenn "nur" der Ölpreis steigt, dann hat das auf den Strompreis weniger Einfluss als auf Heizöl, Benzin, Diesel usw.
  2. der Anteil von erneuerbaren Energien am Strommix steigt ständig. In Deutschland soll bis 2020 ein Anteil von 20% erreicht werden.
  3. die Stromerzeugungskosten für erneuerbare Energien sinken. Selbst wenn man die Kosten für den Ausbau des Stromnetzes für dezentrale Stromerzeuger mitrechnet wird Strom aus erneuerbaren Energien langfristig günstiger, weil die Anlagen effizienter werden
  4. das gilt übrigens auch für konventionelle Kraftwerke. Neue Kohle- oder Gaskraftwerke stellen Strom effizienter und damit günstiger her.
  5. einige erneuerbare Energieformen eignen sich auch direkt zum heizen: Holz, xxxToLiquid, Bioöl und -diesel, Biogas usw. aber bei den meisten kommt "hinten" Strom raus: Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Solarkraftwerke (Parabol und Aufwind), Geothermie.
  6. auch Holz werden wir importieren müssen, sobald sein Anteil an der Heizenergie 6% übersteigt. Oder wir schlagen unsere Wälder kahl. Mit dem wachsenden Anteil von "Energiepflanzen" kann man das allerdings noch etwas strecken. Sonne, Wind, Wasser müssen wir nicht importieren.
  7. langsam kann man die ersten kleinen "Windmühlen" (die Strom erzeugen) kaufen, die man "in den Garten" stellen kann und die sich sogar rechnen.
  8. der Strommarkt ist offen, man kann seinen Stromlieferanten und seine Stromquelle (grün, gelb, ... :-) frei wählen, wie bei Öl, Holz, ...
  9. Windenergie dämpft schon heute den Strompreis
  10. ... (ich bin noch nicht fertig :-)
Also, mal abgesehen davon, dass der Strompreis in der Vergangenheit nicht so schnell gestiegen ist wie der Öl oder Gaspreis, gibt es auch noch Hoffnung für die Zukunft.

Siehe auch:
http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=19856&mode=print
http://nurtext.zeit.de/zeit-wissen/2006/03/2050_Energie.xml
http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=21499&mode=print
http://www.axpo.ch/internet/axpo/de/medien/publikationen.-Slot1-0034-File.File.FileRef.pdf/axpo_buch_pdf_def_daten_druckerei.pdf
http://gabe.web.psi.ch/pdfs/Dezentral_Bericht_August_2001.pdf

Nachtrag 2007: es ist jetzt 2007 und der offizielle Primärenergiefaktor für Strom in der EnEV ist auf 2,7 gesenkt worden. Unser Haus verbraucht damit politisch 10% weniger Primärenergie.

Nachtrag 2008: Wenn das neue Kraft-Wärme-Kopplung Kohlekraftwerk Moorburg nach den aktuellen Plänen (bis 61% Brennstoffausnutzung) gebaut wird, dann geht hier der lokale Primärenergiefaktor bis auf 1,7 runter...

Nachtrag 2009: Inzwischen kommt mehr als 15% des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien.

_
Thomas Schulz (Gast) - 10. Sep, 13:41

Auch Gas ist ein guter Kandidat

Neben den geringeren Kosten für Anlageninvestition (gegenüber Öl, Holz, Wärmepumpe) spricht die vorhandene Infrastruktur dafür. Auch der (Erd-)gasmarkt wird sich wohl oder übel in den nächsten Jahren öffnen und das Netz kann dann mit erneuerbarem Biogas beschickt werden. Und zwar ohne den Umweg xxxToLiquid (direkte Verfahren sind noch nicht praxisreif) zu gehen, der besser zur vorhandenen Diesel-Infrastruktur passt.
Warum haben sind eigentlich gasbetriebene Wärmepumpen noch nicht durchgesetzt?

hendrik42 - 10. Sep, 15:28

Gasbetriebene WP...

... haben dasselbe "Problem" wie BHKW's: es gibt sie noch nicht "klein" genug. Es gibt inzwischen Hotels, die Gas WPs zum Heizen und Kühlen einsetzen, aber die Geräte sind von der Leistung zu groß für ein modernes Ein- oder Zweifamilienhaus.

Geräte gibt es z.B. von Sanyo.

Gruß, Hendrik
Aurisa - 13. Sep, 21:45

Hm, man merkt jedenfalls, daß hier jemand Ahnung davon hat, was er schreibt...
Und nein, natürlich ist Strom nicht generell 'böse', ebensowenig wie Wärmepumpen es sind...
Es kommt halt immer drauf an, was man draus macht, bzw. die Frage ist, wann der Einsatz Sinn macht... und wann eben nicht...
Wärmepumpen etwas sind ja grundsätzlich eine ziemlich geniale Idee... aber eben nur, wenn man zu ihrem Betrieb mit Strom nicht mehr Primärenergie braucht, als dann 'hinten raus kommt'... und das ist wohl nur bei wirklich gut gedämmten Häusern mit gut geplanter Heizung samt guter Wärmepumpe der Fall... aber wem sag ich das ;)...
Ich könnte mir jedenfalls durchaus vorstellen, daß Wärmepumpen in Zukunft ökonomisch und ökologisch mehr Sinn machen könnten als Öl oder Gas... momentan ist das aber wohl eher nur in Ausnahmefällen so...
Viele Grüße
Aurisa

hendrik42 - 15. Sep, 16:42

Danke für die Blumen :-)

Aaaber: ob bei einer WP hinten mehr rauskommt, als beim Stromkraftwerk vorne reingesteckt wird, hat nichts mit der Dämmung des Hauses zu tun, sondern nur damit, ob die WP zum Haus passt.

Praktisch jede WP kann heute eine Jahresarbeitszahl von 3 oder besser erreichen -- wenn sie für das Haus nicht zu klein ist und der Heizstab nur wenig tun muss. Und natürlich muss die Auslegung des Heizsystems hinhauen. Aber wenn die JAZ besser ist als der Strommix, dann kommt hinten mehr raus als vorne reingeht.

Es gibt ja durchaus WP's mit Leistungen im zweistelligen kW Bereich, die also auch in großen oder ungedämmten Häusern eingesetzt werden können.

Gruß, Hendrik
hendrik42 - 6. Apr, 15:55

CO2 Kennzeichnung von WP gefodert

http://www.haustechnikdialog.de/News/News.aspx?ID=8291

Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass der Strom in DE ja auch ständig besser wird.

Karl Frischholz (Gast) - 24. Jan, 23:20

Primärenergifaktor

Bei der ganzen Diskussion über den Primärenergiefaktor wird oft vergessen oder nicht gesagt, das der Primärenergiefaktor z.B. für Öl und Gas (1,1) ab Grenze Deutschland gerechnet wird. Der Energieaufwand für die Erschließung, Förderung, Aufbereitung außerhalb Deutschlands wird also in dieser Primärenergieaufwandszahl gar nicht mit eingerechnet. Schlimmer noch - die Naturzerstörung und Kriegskosten sind gar nicht bezifferbar. Hier werden die wirtschaftlichen Interessen der ausländischen Öl- und Gaskonzerne und der inländischen Großindustrie geschützt. Unsere Politiker haben die Energieversorgung vollkommen vernachlässigt (siehe Öl und Gas aus Russland). Durch Strom aus der Wüste
www.desertec.org/de kann Strom u. a. aus regenerativen Energien unendlich und kostengünstig erzeugt werden. Wenn es Öl- und Gas nicht mehr gibt, bleibt uns nur noch der Strom. Nur die Energieform Strom kann aus regenrativen Energien in großen Mengen erzeugt werden. Die Riesengewinne der Öl, Gas und Stromkonzerne muß politisch begrenzt werden und diese Firmen sollten unter staatliche Aufsicht gestellt werden. Aber leider wird in Deutschland die Politik immer mehr von der Wirtschaft gesteuert. In der Französischen Verfassung werden die Politiker dazu verpflichtet, dem Bürger eine bezahlbare Energie zur Verfügung zu stellen. Auch wir sollten dies von unseren gewählten Volksvertreter (Volksverdreher) verlangen.

hendrik42 - 28. Jan, 12:03

Ab Grenze Deutschland?

hast Du dafür eine Quelle? Das wäre ja noch ein Riesenargument gegen Öl. Ist das bei Gas auch so?

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