Niedrigenergiehaus, X-Liter Haus und andere Marketingsprüche
Ein paar Worte zu häufig verwendeten Marketingsprüchen wie "Wir bauen Ihnen ein Niedrigenergiehaus!" oder "Wir bauen Ihnen ein 2-Liter Haus!": das ist alles Bullshit und bedeutet garnix. Diese Begriffe sind nicht definiert. Jedenfalls nicht durch eine Authorität auf die man sich vor Gericht beziehen kann.
Ein Neubau von heute ist das "Niedrigenergiehaus" von gestern. Seit 2002 gilt die Energieeinsparverordnung (EnEV) und damit muß jeder Neubau bestimmte Minimalwerte einhalten, die ihn früher zu einem "Niedrigenergiehaus" gemacht hätten.
Ein "EnEV Haus" wird heute gerne als "7-Liter Haus" bezeichnet, weil es -- wenn man eine Ölheizung einsetzen würde -- 7 Liter Öl pro Quadratmeter Nutzfläche (ein EnEV Begriff, nicht dasselbe wie Wohnfläche nach II BVO) für das Heizen verbrauchen darf. Für Warmwasser darf man nochmal ein bis zwei Liter extra verbrauchen. Am Ende stehen dann bis zu 120 kWh/qm/a Primärenergiebedarf nach EnEV, die auch den Anlagenwirkungsgrad und Hilfsenergie berücksichtigt.
Was gilt also? Die EnEV gilt immer. Wenn man aber was besseres haben will, dann kann man sich nach meinem Wissensstand nur auf drei weitere "echte" Standards beziehen, die genau genug sind, als das man sie auch einklagen (oder rechtssicher in einen Vertrag schreiben) könnte. Das sind die Standards "KfW 40 Haus", "KfW 60 Haus" und "Passivhaus nach Dr. Feist".
Um ein Förderungsprogramm für besonders energiesparende Häuser auflegen zu können, hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einfach zwei Haus-Standards definiert: ein KfW60 darf einen maximalen Primärenergiebedarf von 60kWh/qm/a haben, ein KfW40 Haus einen von 40kWh/qm/a.
Damit ist ein KfW60 Haus quasi ein 3-Liter Haus (60 geteilt durch Primärenergie-Anlagenzahl 1,4 (mittlere Ölheizung) minus 12,5 für Warmwasser geteilt durch 10 (kWh nach Liter Öl), weil es etwa drei Liter Öl Primärenergiebedarf hat, pro EnEV Quadratmeter Nutzfläche.
Und ein KfW40 Haus ist ein 1,5-Liter Haus oder so.
Und weil "Liter Öl" wohl so viel einfacher zu kapieren ist als "kWh/qm/a", wird der Begriff so schnell nicht aussterben.
Fazit: wer ein "Niedrigenergiehaus" bestellt, bekommt wahrscheinlich ein "normales" Haus, das die EnEV einhält, schlimmstenfalls mit 120kWh/qm/a Primärenergieverbrauch. Wenn das Haus besser ist oder sein soll, dann ist die nächste klare Stufe das KfW60 Haus, das auch von der KfW gefördert werden würde (muß man ja nicht machen), dann das KfW40 Haus und dann das "Passivhaus nach Dr. Feist", das noch ein kleines bischen besser ist und allein durch Luft als Heizmedium beheizt werden könnte.
Am meisten kann ich mich über das "2 Liter Haus" eines norddeutschen Bauunternehmers aufregen: hier werden nämlich einfach frech die 20kWh/qm/a Strom, die die verwendete Wärmepumpe benötigt, in 2 Liter Öl umgerechnet. So ein Quatsch! Denn Strom ist keine Primärenergie und aus zwei Liter Öl kann ich auch keine 20kWh Strom machen, sondern nur etwa ein Drittel!
Hier wird aus meiner Sicht der Kunde klar angeschmiert. Wenn man dann aber ins kleingedruckte schaut, stellt man fest, dass es eben doch "nur" ein KfW60 Haus ist...
Auch wenn der verlangte Preis im Rahmen (eines KfW60 Hauses!) liegt und der Bauunternehmer einen guten Ruf hat: die "2 Liter Haus" Aussage ist aus meiner Sicht irreführende Werbung und sollte verboten werden. Statt dessen macht das Hamburger Abendblatt regelmäßig Überschriften draus...
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Ein Neubau von heute ist das "Niedrigenergiehaus" von gestern. Seit 2002 gilt die Energieeinsparverordnung (EnEV) und damit muß jeder Neubau bestimmte Minimalwerte einhalten, die ihn früher zu einem "Niedrigenergiehaus" gemacht hätten.
Ein "EnEV Haus" wird heute gerne als "7-Liter Haus" bezeichnet, weil es -- wenn man eine Ölheizung einsetzen würde -- 7 Liter Öl pro Quadratmeter Nutzfläche (ein EnEV Begriff, nicht dasselbe wie Wohnfläche nach II BVO) für das Heizen verbrauchen darf. Für Warmwasser darf man nochmal ein bis zwei Liter extra verbrauchen. Am Ende stehen dann bis zu 120 kWh/qm/a Primärenergiebedarf nach EnEV, die auch den Anlagenwirkungsgrad und Hilfsenergie berücksichtigt.
Was gilt also? Die EnEV gilt immer. Wenn man aber was besseres haben will, dann kann man sich nach meinem Wissensstand nur auf drei weitere "echte" Standards beziehen, die genau genug sind, als das man sie auch einklagen (oder rechtssicher in einen Vertrag schreiben) könnte. Das sind die Standards "KfW 40 Haus", "KfW 60 Haus" und "Passivhaus nach Dr. Feist".
Um ein Förderungsprogramm für besonders energiesparende Häuser auflegen zu können, hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einfach zwei Haus-Standards definiert: ein KfW60 darf einen maximalen Primärenergiebedarf von 60kWh/qm/a haben, ein KfW40 Haus einen von 40kWh/qm/a.
Damit ist ein KfW60 Haus quasi ein 3-Liter Haus (60 geteilt durch Primärenergie-Anlagenzahl 1,4 (mittlere Ölheizung) minus 12,5 für Warmwasser geteilt durch 10 (kWh nach Liter Öl), weil es etwa drei Liter Öl Primärenergiebedarf hat, pro EnEV Quadratmeter Nutzfläche.
Und ein KfW40 Haus ist ein 1,5-Liter Haus oder so.
Und weil "Liter Öl" wohl so viel einfacher zu kapieren ist als "kWh/qm/a", wird der Begriff so schnell nicht aussterben.
Fazit: wer ein "Niedrigenergiehaus" bestellt, bekommt wahrscheinlich ein "normales" Haus, das die EnEV einhält, schlimmstenfalls mit 120kWh/qm/a Primärenergieverbrauch. Wenn das Haus besser ist oder sein soll, dann ist die nächste klare Stufe das KfW60 Haus, das auch von der KfW gefördert werden würde (muß man ja nicht machen), dann das KfW40 Haus und dann das "Passivhaus nach Dr. Feist", das noch ein kleines bischen besser ist und allein durch Luft als Heizmedium beheizt werden könnte.
Am meisten kann ich mich über das "2 Liter Haus" eines norddeutschen Bauunternehmers aufregen: hier werden nämlich einfach frech die 20kWh/qm/a Strom, die die verwendete Wärmepumpe benötigt, in 2 Liter Öl umgerechnet. So ein Quatsch! Denn Strom ist keine Primärenergie und aus zwei Liter Öl kann ich auch keine 20kWh Strom machen, sondern nur etwa ein Drittel!
Hier wird aus meiner Sicht der Kunde klar angeschmiert. Wenn man dann aber ins kleingedruckte schaut, stellt man fest, dass es eben doch "nur" ein KfW60 Haus ist...
Auch wenn der verlangte Preis im Rahmen (eines KfW60 Hauses!) liegt und der Bauunternehmer einen guten Ruf hat: die "2 Liter Haus" Aussage ist aus meiner Sicht irreführende Werbung und sollte verboten werden. Statt dessen macht das Hamburger Abendblatt regelmäßig Überschriften draus...
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hendrik42 - 15. Sep, 22:02